Grundlagen

Schlafapnoe: Ursachen, Diagnose und Schweregrade

Sie wachen morgens auf, als hätten Sie gar nicht geschlafen. Kaffee hilft nur kurz, am Nachmittag fallen Ihnen fast die Augen zu, und niemand in Ihrem Umfeld versteht so richtig, warum Sie trotz acht Stunden im Bett so erschöpft sind – manche denken, Sie übertreiben. Genau diese Erschöpfung war bei mir der erste Hinweis, lange bevor ich das Wort Schlafapnoe überhaupt kannte.

Erschöpfter Mann gähnt morgens auf dem Sofa, sichtlich übermüdet
Die Erschöpfung bei Schlafapnoe zieht sich durch den ganzen Tag – nicht nur durch eine schlechte Nacht.

Was obstruktive Schlafapnoe ist

Bei der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) erschlafft die Muskulatur im Rachen während des Schlafs so stark, dass die oberen Atemwege sich immer wieder verengen oder komplett verschließen. Die Atmung setzt für mehrere Sekunden aus, der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt, und das Gehirn löst einen kurzen Weckreiz aus – oft ohne dass die betroffene Person davon etwas mitbekommt. Das kann sich hunderte Male pro Nacht wiederholen. Der Schlaf wird dadurch ständig unterbrochen, ohne dass die tiefen, erholsamen Phasen erreicht werden.

Zu unterscheiden ist das von der selteneren zentralen Schlafapnoe, bei der das Gehirn zeitweise den Atemantrieb nicht richtig steuert, statt dass der Atemweg mechanisch blockiert. Die weit überwiegende Mehrheit der Fälle ist obstruktiv.

Wie häufig ist Schlafapnoe wirklich?

Schlafapnoe gilt als deutlich unterdiagnostiziert. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) geht davon aus, dass mehrere Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind – ein erheblicher Teil davon, ohne es zu wissen. Das liegt auch daran, dass die auffälligsten Symptome, lautes Schnarchen und Atemaussetzer, meist zuerst dem Partner oder der Partnerin auffallen und nicht der betroffenen Person selbst.

Wie die Diagnose abläuft

Der Weg zur Diagnose führt in der Regel über den Hausarzt oder direkt über eine HNO-Praxis mit schlafmedizinischem Schwerpunkt. Der erste Schritt ist meist eine ambulante Polygraphie: Ein tragbares Messgerät zeichnet zu Hause Atemfluss, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz und Schnarchgeräusche über eine Nacht auf. Ergibt sich daraus ein Verdacht, folgt bei Bedarf eine Polysomnographie im Schlaflabor – mit zusätzlichen Messungen von Hirnströmen und Schlafstadien für ein vollständigeres Bild.

Ergänzend wird häufig die Epworth-Schläfrigkeitsskala eingesetzt, ein kurzer Fragebogen zur Tagesschläfrigkeit in Alltagssituationen. Er ersetzt keine Messung, hilft aber dabei, den Leidensdruck einzuordnen.

Der AHI-Wert und die Schweregrade

Das zentrale Messergebnis ist der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI): die Anzahl der Atemaussetzer und Atemabflachungen pro Stunde Schlaf. Er bestimmt, welcher Schweregrad vorliegt und welche Behandlung infrage kommt.

AHI-Schweregrade im Überblick:
Unter 5: kein relevanter Befund
5 bis 15: leichtgradige Schlafapnoe
15 bis 30: mittelgradige Schlafapnoe
Über 30: schwergradige Schlafapnoe

Der AHI allein ist aber nicht alles. Zwei Menschen mit demselben Wert können sehr unterschiedlich stark unter ihrer Erkrankung leiden – abhängig davon, wie tief die Sauerstoffsättigung jeweils absinkt und wie stark der Schlaf dadurch fragmentiert wird. Deshalb fließen in die Behandlungsentscheidung neben dem AHI immer auch die Symptome und Begleiterkrankungen ein.

Was begünstigt Schlafapnoe?

Die häufigsten begünstigenden Faktoren sind Übergewicht, ein zurückliegender Unterkiefer, vergrößerte Mandeln, eine verengte Nasenatmung, Alkohol und Beruhigungsmittel am Abend sowie das Schlafen auf dem Rücken, weil dabei die Zunge zusätzlich nach hinten sinkt. Auch familiäre Veranlagung spielt eine Rolle. Nicht jeder Betroffene ist übergewichtig – die Anatomie von Rachen und Kiefer ist mindestens genauso entscheidend.

Warum Behandlung wichtig ist

Unbehandelt ist Schlafapnoe nicht nur eine Frage der Tagesmüdigkeit. Die wiederholten Sauerstoffabfälle und Weckreaktionen werden mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Schlaganfall in Verbindung gebracht. Dazu kommt die alltägliche Gefahr durch Sekundenschlaf, etwa am Steuer. Der erste Schritt ist fast immer die CPAP-Therapie – warum sie nicht bei jedem funktioniert und was dann hilft, steht im Artikel zu den CPAP-Problemen.

Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Diagnose. Nur ein Schlaflabor oder eine entsprechend ausgestattete Praxis kann Schlafapnoe zuverlässig feststellen und den Schweregrad bestimmen. Bei Verdacht auf Schlafapnoe wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder direkt an eine schlafmedizinische Praxis.

Franklyn Arkhurst – Patient mit Zungenschrittmacher seit 2024

Bei mir stand am Ende eine schwergradige obstruktive Schlafapnoe. Wenn Sie noch am Anfang stehen und wissen wollen, wie es bei Ihnen aussehen könnte: Der Selbsttest gibt in wenigen Minuten eine erste Einordnung.

Zum Selbsttest

Quellen

  • S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“, Kapitel „Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen“, AWMF-Registernummer 063-001, DGSM; Teil-Aktualisierung 2020 (Somnologie 24/3, S. 176–208).
  • Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Patienteninformationen zu obstruktiver Schlafapnoe.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Er wurde von mir als Betroffenem auf Basis der genannten Quellen zusammengestellt, nicht von einer medizinischen Fachperson verfasst.

Diese Seite ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Alle Inhalte dienen der allgemeinen Information. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich an einen Arzt oder Facharzt für Schlafmedizin.