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Zungenschrittmacher-OP: Ablauf, Dauer, Klinikaufenthalt

Die Vorstellung, sich etwas dauerhaft implantieren zu lassen, ist für die meisten der schwierigste Teil der Entscheidung. Dieser Artikel beschreibt den Ablauf nüchtern und vollständig – einschließlich der Dinge, die unangenehm sind.

Chirurgin in OP-Kleidung, konzentriert bei der Vorbereitung auf einen Eingriff
Konzentrierte Vorbereitung im OP – die Implantation läuft standardisiert ab, mit klar definierten Schritten.

Vor der OP: die Voruntersuchungen

Vor jeder Implantation steht eine schlafmedizinische Abklärung, in der Regel mit einer Untersuchung im Schlaflabor. Die wichtigste Einzeluntersuchung ist die Schlafvideoendoskopie, bei der unter Sedierung dargestellt wird, wie und wo der Rachen zusammenfällt. Erst danach ist klar, ob und welches System infrage kommt. Die Details dazu stehen im Artikel zu den Voraussetzungen.

Der Eingriff selbst

Die Operation findet unter Vollnarkose statt und ist minimalinvasiv – also ohne große Wundöffnung. Die Angaben zur Dauer liegen je nach Klinik und System bei etwa zwei bis drei Stunden.

Wie viele Schnitte?

Das hängt vom System ab, und der Unterschied ist erheblich:

Beim atmungsgesteuerten System werden üblicherweise zwei bis drei kleine Schnitte gesetzt: einer unterhalb des Unterkiefers für die Stimulationselektrode am Zungennerv, einer unterhalb des Schlüsselbeins für den Pulsgenerator – ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher – und je nach Bauweise ein dritter am Brustkorb für die Sensorelektrode, die die Atmung registriert.

Beim kontinuierlich arbeitenden System ist nur ein Schnitt nötig, weil weder ein Atemsensor noch eine Batterie im Körper platziert werden. Hier wird lediglich die Stimulationselektrode am Zungennerv angelegt. Die Stimulation erfolgt später von außen über ein Pflaster, das nachts getragen und tagsüber auf einer Ladestation aufgeladen wird – ähnlich wie ein Mobiltelefon.

Zeitlicher Ablauf von der Operation über die Aktivierung nach vier Wochen bis zur jährlichen Nachsorge OP-Tag Vollnarkose, 2–3 Stunden Tag 1–5 Klinik, Wundkontrolle Essen und Sprechen möglich Tag 10 Fäden ziehen Woche 3–4 Aktivierung, Einweisung in die Fernbedienung danach Kontrollmessung, Nachsorge jährlich Gold = die beiden Termine, die den größten Einschnitt bedeuten. Zeitangaben variieren je nach Klinik und System.
Typischer Verlauf. Zwischen Operation und erster Nutzung liegen etwa drei bis vier Wochen – das Gerät wird bewusst erst nach abgeschlossener Einheilung eingeschaltet.

Der Klinikaufenthalt

Die Angaben der Kliniken liegen übereinstimmend bei drei bis fünf Tagen; einzelne Häuser nennen auch mindestens zwei Tage nach dem Eingriff. Der Aufenthalt dient der Schmerztherapie nach Bedarf, regelmäßigen Wundkontrollen und Verbandswechseln.

Eine Sorge, die viele haben, lässt sich entkräften: Noch am Tag der Implantation beziehungsweise am Tag danach ist normales Essen und Sprechen in der Regel möglich.

Was danach unangenehm ist – ehrlich benannt

Die Schmerzen nach dem Eingriff werden von den meisten als nicht schwerwiegend beschrieben und klingen üblicherweise innerhalb von zwei bis drei Tagen ab. Rechnen sollten Sie für einige Tage mit leichten Schmerzen und Schwellungen im Bereich der Narben.

Ein Punkt, den kaum jemand vorher erwähnt: Bei den meisten Patienten entwickelt sich eine Schwellung unter dem Kiefer, die optisch den Eindruck eines „Doppelkinns" erweckt. Das ist typisch und bildet sich in der Regel innerhalb von zwei bis vier Wochen zurück. Wer davon nichts weiß, erschrickt beim ersten Blick in den Spiegel.

Die Fäden werden nach etwa zehn Tagen gezogen. Nach zwei bis vier Wochen ist das System vollständig eingeheilt.

Wichtig: In diesen ersten Wochen darf der Stimulator noch nicht benutzt werden. Das bedeutet auch: Ihre Schlafapnoe ist in dieser Zeit unbehandelt, sofern nichts anderes vereinbart ist. Besprechen Sie vor der OP mit Ihrem Zentrum, wie diese Übergangszeit überbrückt wird.

Die Aktivierung nach drei bis vier Wochen

Erst nach abgeschlossener Wundheilung wird das System zum ersten Mal eingeschaltet. Dabei stellt die Ärztin oder der Arzt Werte ein, die auf Sie abgestimmt sind, und Sie erhalten eine ausführliche Einweisung in die Bedienung.

Ab diesem Zeitpunkt schalten Sie das Gerät abends vor dem Zubettgehen selbst ein und morgens wieder aus – über eine Fernbedienung oder eine App. Auch die Stärke der Stimulation lässt sich in einem vorgegebenen Rahmen selbst anpassen.

Wie fühlt sich die Stimulation an?

Beschrieben wird sie meist als leichtes Kribbeln oder als leichte Anspannung der Zungenmuskulatur. Sie soll ausdrücklich nicht schmerzhaft sein, damit der Schlaf nicht gestört wird. Die meisten Menschen brauchen einige Nächte zur Gewöhnung und nehmen die Stimulation danach kaum noch wahr.

Die Nachsorge – der oft unterschätzte Teil

Nach der Eingewöhnungsphase wird der Behandlungserfolg mit einer ambulanten Schlafmessung überprüft und die Einstellung bei Bedarf nachjustiert. Danach erfolgt die Nachsorge üblicherweise einmal jährlich, unter anderem mit Kontrolle des Batteriestatus und der tatsächlichen Nutzung.

Bedenken Sie das bei der Klinikwahl: Die implantierende Klinik bleibt laut dem Weißbuch der Fachgesellschaften dauerhaft Hauptansprechpartner bei Therapieproblemen. Wenn dieses Zentrum 400 Kilometer entfernt liegt, ist das eine Entscheidung, die Sie über Jahre begleitet.

Einschränkungen, an die man vorher denken sollte

Zwei Punkte werden in Patienteninformationen genannt und sollten vor der Entscheidung geklärt werden: Bei bestimmten Freizeitaktivitäten – etwa Kontaktsportarten oder Tätigkeiten mit erhöhter Armbelastung – ist die Eignung individuell zu erörtern. Und bei bereits vorhandenen anderen Implantaten kann von einer Implantation abgeraten werden, weil Wechselwirkungen nicht auszuschließen sind.

Zur Häufigkeit von Komplikationen: In der Fünf-Jahres-Auswertung der Zulassungsstudie erlebten sechs Prozent der Teilnehmenden Komplikationen, die sich überwiegend durch Anpassungen im Verlauf beheben ließen.

Franklyn Arkhurst – Patient mit Zungenschrittmacher seit 2024

Ich habe diese Operation 2024 hinter mich gebracht. Wenn Sie wissen möchten, wie sich die Wochen zwischen OP und Aktivierung tatsächlich anfühlen – das ist genau die Art Frage, für die ich diese Seite gemacht habe.

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Quellen

  • Universitätsklinikum Regensburg, HNO-Klinik: Angaben zu Schnittführung, Schlafvideoendoskopie und Aktivierung drei Wochen nach der Operation.
  • Universitätsklinikum Düsseldorf, HNO-Klinik: Angaben zu OP-Dauer, drei Schnitten, Schmerzverlauf und Schwellung unter dem Kiefer.
  • Alfried Krupp Krankenhaus Essen: Patienteninformation Zungenschrittmacher – OP-Dauer, stationärer Aufenthalt, Einschränkungen bei Kontaktsport und anderen Implantaten.
  • Asklepios Kliniken Altona und Harburg, Marienkrankenhaus Hamburg, HNO Kiel-Wik: Angaben zu Klinikaufenthalt, Einheilung, Aktivierung, Nachsorge und Unterschieden zwischen den Systemen.
  • Woodson BT et al.: Upper Airway Stimulation for Obstructive Sleep Apnea: 5-Year Outcomes. Otolaryngol Head Neck Surg 2018;159(1):194–202 – Komplikationsrate.
  • Weißbuch „Stimulationstherapie des N. hypoglossus“, DGHNO-KHC und DGSM, Version 1.0 vom 23.08.2022 – Therapieverantwortung der implantierenden Klinik.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Abläufe unterscheiden sich zwischen Kliniken und Systemen; maßgeblich ist immer die Aufklärung in Ihrem Zentrum.

Diese Seite ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Alle Inhalte dienen der allgemeinen Information. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich an einen Arzt oder Facharzt für Schlafmedizin.